Oschersleben lebt...
Als Racer bist du eigentlich eine Streckenlänge von rund 4,5 Kilomerterleins gewohnt, mal abgesehen von ein paar Flugplatzkursen, denen man ohnehin meist keine Beachtung schenken will. Was mich hinführt ist ein Instruktor Job für einen Hersteller, der gerne viel mehr von seinen zu schweren, zu schwachen und zu teuren Dingern verticken würde...
Die Gegend ist schon toll, aber scheinbar sind nicht alle Ortschaften den Anpassungen an den „Goldenen Westen“ zum Opfer gefallen. So manche Fassade wurde scheinbar nur schlampig von den Kugellöcher aus´em Schnäuzerkrieg befreit. Aber unser Quartier im Hotel lässt sich sehen und man kann von dort aus auch Renngeschehen verfolgen. Die scheiß Fahrt dorthin wurde schnell durch den Abfluss der Dusche gespült und schon versuche ich mich am netten Pförtner, der mir ganze 5 Euronen (als wir noch echtes Geld hatten nannte man einen 5er kurz und stolz „Heiermann“) für die zufahrt zum Fahrerlager abknöpfen will, da er mir die Zugehörigkeit zum Veranstalter nicht abnehmen will.
Als ich ihm schließlich anbiete- eine DNA, Urin und Stuhlprobe frisch auf seinem Schreibtisch zu hinterlassen, lässt er mich zumindest hinein um einen Nachweis für meine Behauptungen beschaffen zu können. Ein riesiges, vielleicht überdimensionales Fahrerlager erwartet mich. Diese Rennstrecke ist erst kurz nach Beendigung meiner Profi-Rennkarriere gebaut worden und das liegt immerhin auch schon wieder 11 Jahre zurück, aber dennoch tut sich hier alles pikobello auf und die Boxen lassen sich für die ganz Großen Teams sogar kombinieren. Am besten haben „M“ und Jill gefallen, dass sie über kurze Laufwege fast überall zusehen konnten. Wichtig für Jill ist aber immer, das sie ihrem Papa zuwinken kann und ich das gefälligst mit zurück winken zu bestätigen habe. Tue ich das nicht, habe ich mit Schwersten Sanktionen zu rechnen... darf nicht mehr den Kinderwagen schieben, bekomme keine Küsschen mehr und darf auch nicht mehr mit ihr Ball spielen.
Also wink´ ich ihr besser mal zu und mach mich über die Start/Zielgerade auf zur Ersten Kurve. Die Hotel Kurve wartet auch schon mit trickreichem auf und der Linksknick vor der langgezogenen Rechts will derart rasiert werden, das man sich in die rechts hinein regelrecht hinein bohren muss. So setzt man sich quasi zwei Scheitelpunkte und kann ihr so herrlich schräg enteilen... hach, wat mag der Liebe Jung dat...
Jetzt in Richtung Hasseröder, einer 180 Grad Linkskurve die man nicht zu früh einfahren sollte. Es gibt hier nämlich nur eine schnelle Linie, der man sich nachhaltig bewusst sein sollte. Denn den Speed hast du auf die Gerade zur Tripple-Links mitzunehmen.
Alter, das ding kracht durchs Gehirn... bis du hier schnell genug bist sind ein paar Runden mehr nötig als sonst. Fährst du die erste der drei schnellen Ecken falsch an, kannst du die anderen beiden auch gleich knicken. Huiiiii... jetz´ geht´s ab. Du fliegst in einer langen Linie durch Teil 1 und bremst tief hinein. Erst wenn du ordentlich weit rausgetrieben bist, eröffnet dir Teil 2 ihre Pforten. Hier zeigt sich ob dein Speed stimmt, denn hier sollte dann nicht mehr korrigieren werden müssen und man findet sich in etwa der Mitte der Strecke wieder. Teil 3 wird auf der Bremse einfach gebügelt und man bringt sich in Position für eine weitere, ewig andauernden Rechtskurve namens Turn 4.
Wenn du hier hinter jemandem bist, führt auch erst mal kaum ein weg daran vorbei und die Uhr tickt unbarmherzig. Nicht zu früh am Gas und schön weit innen beschleunigt man auf dem etwas ansteigenden Asphalt und hinterlässt dabei fette schwarze striche auf ihm.
Jetzt folgt eine Rechts/Links auf die man hätte locker verzichten können. Danach kommt sogleich die Hammergeile Turn 6, eine mittelschnelle Rechtskurve die auf die gegen Gerade führt. Also sollte man in der Kombination davor lieber nix übereilen, da der Focus eben nicht auf diesem gehackels liegt, die man nur einigermaßen und auf den Cörps zu durchpflügen hat. Aber, in einem Rennen kann man hier in der letzten Runde sicher einen unerwarteten angriff starten, der den Gegner Zeit verlieren lässt, die er bis ins Ziel nicht mehr einholen kann.
Jetzt zeigt sich ob die Getriebeabstimmung passt, und ob man sauber im drift aus dem sich langziehenden Ausgang kommt. Jedenfalls passt es bei mir jetzt nicht, wofür das großserienteil auf dem ich gerade hocke zwar nix kann, aber mit Motorrädern die in einem etwas besseren Preis/Leistungsverhältnis stehen, würde man jetzt normalerweise über die kleine Kuppe auf dem Hinterrad in die Gegengerade gespuckt werden.
Vorsicht ist auf dem Bremsstrich zur Shell-Esses geboten, denn von der kleinen Brücke tropft noch lange der Frühtau zu Asphalt. Der Bremspunkt sollte ohnehin sehr wohl bedacht sein, denn in dem Rechtsknick darf man es nicht übertreiben und sondern eher nur den inneren Stier streicheln. Der Focus liegt nämlich ganz klar auf der leicht ansteigenden Linkskurve, die viel schneller ist als sie aussieht. Eine Kurve in der du jeden Meter des Asphaltes mit ordentlich zug an der Kette aufsägen musst... großer Gott, wie ich das liebe...
Jetzt Fluchs rüber nach links, um die flotte Rechtskurve zurecht zu legen. Auch das baby ist schneller als es aussieht. Finde eine lange Linie und halte die Stümmelchen locker in der Hand... dann ist sie lieb zu dir.
Nun hart auf der Bremse die Sachsen-Anhalt-Kurve anvisieren und erst spät einlenken. Den Speed musst du jetzt sauber mit dem Bremshebel regulieren, denn egal was du tust... vor der Beschleunigungszeremonie musst du ganz weit innen am Cörp sein. Und zwar soweit, dass du das Knie kurz einziehen musst um nicht an den Holprigen Randsteinen hängen zu bleiben. Nun die Luft anhalten und den „Aggressionspotentialregler“ weiter aufdrehen. Mit Messerscharfer Konzentration wird nun hinaus auf die Zielgerade bescheunigt... Yeeehhhaaa...
xyx36 Fazit
Das wort „Arena“ ist in Oschersleben Programm. Hier kann man zwar von beginn an recht flott sein, erschließen sich einem die Feinheiten jedoch nur nach und nach. Kurvenkombinationen sehen easy aus, aber die Prioritäten darin müssen für den ganz Zügigen auftritt erkannt worden sein, sonst wird dat nix...
Can „xyx36“ Akkaya, Author of the Racers-Story, www.25sekunden.de
Website: http://www.motorsportarena.com/
Lap Video: http://www.youtube.com/watch?v=a-NiN7vvv8
Track info: http://www.etracksonline.co.uk/Europe/Germany/oschersleben.html
Racers Story
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